Französische Chanson-Texte auf deutsch:Über Französische Chanson-Texte auf deutsch

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Der Auslöser für diese langjährige und aufwändige Übersetzer-Tätigkeit von französischen Chansons war die Unzufriedenheit mit den vorhandenen deutschen Fassungen. Oft waren sie zu fantasievoll vom Inhalt der Texte her. Eine Musik passt nicht unbedingt zu jedem Text, sei er noch so erfinderisch und gut gereimt. Etliche Male gab es unverzeihlich falsche Übersetzungen. Beispiel: Creuser la terre pour trouver de l'or et des diamants heißt nun mal, den Boden durchwühlen, um Gold und Diamanten für dich zu finden (Brel, Ne me quitte pas) und nicht croiser la terre . . dies heißt die Welt durchkreuzen, um . .

Nach und nach habe ich dann Gefallen daran gefunden, Lieder die mir vom Text oder der Melodie her gefielen, ins Deutsche zu übertragen. Es sind derer mittlerweile über 200 Lieder, von über 50 französischen Chansonniers. Und das nimmt kein Ende. Inzwischen habe ich das Texten und Reimen gelernt, so dass ich auch deutsche Texte nach eigenen Lied-Ideen schreibe.

Auch andere Chanson-Liebhaber, wie Gerd Heger vom Saarländischen Rundfunk, der Monsieur Chanson, haben auf diese Seite gefunden. Er hat sich auf seinen Lieblingschansonnier, Serge Gainsbourg, beschränkt.

Nachdem ich auch Lied-Titel anderer Komponisten und Texter in unser Konzert-Programm aufgenommen hatte, fand ich diese auch einer Übersetzung in andere Sprachen wert. So kamen auch englische Lied-Texte hinzu.

Oder ich wurde von Musiker-Kollegen gebeten, Lied-Titel in andere Sprachen zu übertragen. So kam es zur Übersetzung von Heute hier, morgen dort von Hannes Wader, in Je suis ci, je suis là. Oder auch von Tears in heaven von Eric Clapton in Larmes au ciel.

Einige Liedermacher verwenden unter Angabe der hier vorhandenen Quelle meine deutschen Texte für ihre Konzerte. Sie erfragen bei mir die Genehmigung dafür. Damit sind keine Kosten verbunden. Es geht mir um die Verbreitung der schönen Melodien und poetischen Texte.

Die Anzahl der Besucher dieser Seite hat die 2 Millionen-Grenze weit überschritten. Das zeigt doch, dass Lied-Titel mit guten Texten nach wie vor beliebt sind und YEYE- und WOW-WOW-Texte aus dem Texas-Slang nicht die hohe Literatur darstellen. Natürlich erreichen diese weit höhere Einschaltquoten. Der gebildete Teil der Bevölkerung ist eben nach wie vor in der Minderheit.


Die Problematik der Übertragung von Chanson-Texten vom Französischen ins Deutsche - Werkstattgespräch eines Übersetzers (Sonderdruck aus dem Bulletin des Archivs für Textmusikforschung am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck Nr. 20 – Oktober 2007, S. 49-54)

Als Student am Institut für angewandte Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg hatte ich als Pflichtaufgabe „Lucidor“ von Hugo von Hofmannstahl zu übersetzen. Ich empfand es als äußerst schwierig, Prosa in meine vermeintliche Muttersprache zu übersetzen. In der Zwischenzeit weiß ich, wieviel schwieriger die Übertragung von Poesie, und erst recht von vertonten Texten ist. Hier muss schließlich wegen des Rhythmus und des Taktes die Anzahl der Silben beibehalten, die Betonung und Intonation berücksichtigt werden und die Reimung stimmen. Denen, die es noch nie versucht haben, möchte ich Mut machen mit der Folgerung aus meiner Erfahrung: Es ist erlernbar. Für die literarische Übersetzung sind sehr gute Sprachkompetenzen in beiden Sprachen Voraussetzung. Das sind vor allem passive Kenntnisse in der Ausgangssprache und sehr gute, aktive Kenntnisse in der Zielsprache (immer die jeweilige Muttersprache). Es gibt berühmte Nachdichtungen in der Literaturgeschichte, bei denen die Übersetzung sogar besser geglückt ist als das Original. Bei der rezeptionsorientierten Übersetzung stehen eher die Zielsprache und der Leser im Mittelpunkt. Die Inhaltsebene wird betont und die sprachlichen Eigenheiten des Originals werden der jeweiligen Zielsprache angepasst. In diesem Zusammenhang spricht man bei Lyrik auch von Umdichtung. Diese steht vor der Schwierigkeit, dass jede Sprache einen Anteil an Idiomatik und damit an Unübersetzbarkeit besitzt, die sich besonders am litera-rischen Werk offenbart. Der Übersetzer kann allerdings kein Wort des Originals einfach übergehen, sondern muss zu einer Entscheidung über dessen Wichtigkeit gelangen. Dabei hat er sowohl sprachliche als auch kulturelle, manchmal zudem noch historische Unterschiede zu berücksichtigen. Ein komplizierter interkultureller Vorgang findet statt, bei dem der Übersetzer darüber hinaus selber ästhetische Fähigkeiten besitzen muss, um den poetischen Qualitäten des Originals einigermaßen gerecht zu werden. Ein Übersetzer ist also Vermittler und selbst kreativer Autor. Der optimalen Übersetzung am nächsten kommt ein Text, der ein aus-gewogenes Verhältnis von Ausdrucksebene und Inhaltsebene reflektiert. Der Übersetzer sollte aber nicht völlig aufgeben, wenn eine morphologisch und syntaktisch hundert-prozentige Entsprechung nicht möglich ist. Man hebt beim literarischen Übersetzen immer wieder hervor, dass man das Gemeinte wiedergeben sollte. Daraus ergibt sich jedoch auch die Möglichkeit, dem Text des Originals immer neue und andere Versionen in der Zielsprache gegenüber zu stellen. Es gibt also durchaus mehrere gleichwertige Ausdrucksweisen. Sie geben sehr wohl den ursprünglichen Lied-Inhalt wieder, aber haben zu verschiedenen, dennoch guten Ausdrucksformen gefunden. Ein Beispiel aus „Dans l’eau de la claire fontaine“ von Georges Brassens: Peter Blaikner, Brassens-Interpret und Übersetzer singt: „Im glasklaren Wasser des Brunnens, da hat sie gebadet ganz nackt. Ein Windstoß ist plötzlich gekommen und hat ihre Kleider verjagt“. Eine andere Fassung: „Im Wasser der lauteren Quelle badete sie vollkommen nackt. Plötzlich kam eine Windeswelle, hat all ihre Kleider gepackt“. (D. Kaiser, Broschüre 2, 18 Lieder von Georges Brassens, S.11). Das Handwerkliche - Zunächst sollte man den Liedtext in Prosa übertragen. Erst dann geht man an die Übertragung in Vers- und Reimform. Dabei ist die Überprüfung der verwandten Bedeutungen eines Wortes in einem Synonym-Nachschlagewerk sehr nützlich. - Oberstes Gebot: Immer mit dem Lied des Ausgangstextes auf den Ohren den Text formulieren. Der Rhythmus des Ausgangsliedes geht alsbald ins Blut über. Das Lied über einige Tage und Nächte sich setzen und reifen lassen. Dann muss man es wieder zur Musik singen, um die Singbarkeit an der Anzahl der Silben zu messen. - Einige Zeit muss man warten, bevor man an das nächste Lied herangeht, sonst hat man die Melodie und den Rhythmus des vorherigen Liedes noch in den Ohren. - Man sollte nie versuchen, einen fremd übersetzten Liedtext verbessern zu wollen, sondern man muss einen Text von Grund auf neu übertragen. - Man sollte sehr bald den Gebrauch der deutschen Nominalphrasen im Unterschied zu den französischen Verbalisierungen beherrschen. - Man muss auch lernen, wie man aus langen Sätzen mehrere kurze macht, und wann man das überhaupt tun kann und soll.

- Im Vordergrund sollte das Bestreben stehen, die Schönheit der hohen, prämierten Dichtkunst mit ihren Bildern, Metaphern, Sprichwörtern, Zungenbrechern, Stabreimen und sonstigen stilistischen Feinheiten auch bei der Übertragung zu erreichen. Es sollte nur dann vom Ausgangstext erheblich abgewichen werden, wenn der humoristische Sinn dadurch erhalten werden soll, dass die Stimmung des Liedes in das deutschsprachige Umfeld verlegt werden muss.

Praktische Beispiele 1. Wortspiele, Sprichwörter und Idiome, die auf die Geschichte und geografische Lage eines Landes zurückgreifen, sind schwer wiederzugeben. Le „mot de Cambronne“ bedeutet einem Deutschen nichts. Einem Franzosen geht es so mit dem Zitat von Götz von Berlichingen. Wenn dann ein Wort dieses französischen Zitats im nächsten Vers weiter-gesponnen wird, ist das im Deutschen schwer möglich. 2. Gewisse Eigennamen (Vornamen) gibt es in der deutschen Sprache nicht. Der französische Vorname Prudence hat als Substantiv die Bedeutung Vorsicht. Der im Französischen nicht vorhandene männliche Vorname Prudent steht dann allerdings nur noch in der Bedeutung „vorsichtiger Mann“. So konnte daraus leider nur „gute Frau und guter Mann“ werden (In Le vent, G. Brassens). 3. Weitgehende Nachforschungen nach den Ursachen der Wortwahl durch den auteur-compositeur-interprète (ACI) sind unerlässlich. So kommt es nicht zu falschen Übersetzungen. In manchen Unterredungen mit Brel und Brassens sind solche Zusammenhänge von diesen erklärt worden. - Die Tatsache, dass der Auvergnat im Lied von Brassens einem Frierenden vier Scheite Holz schenkt, macht aus ihm noch keinen Köhler, was sogar zum falschen deutschen Titel des Liedes führte. Es ging Brassens einfach nur um das Gute im Menschen. Im Übrigen ist die Ursache für seine Wahl des „Auvergnat“ für dieses Chanson bekannt als Ehrung seines langjährigen Hausherrn in der Impasse Frolimont in Paris.

- Die Ente starb in La cane de Jeanne von Brassens, „au gui l’an neuf“, also am Vorabend von Neujahr, nämlich an Sylvester. In einer anderen Übersetzung starb sie fälschlicherweise im „neunten“ Jahr. Die „Analyses de Brassens“ (www.analysebrassens.com) recherchieren und kommentieren aber doch eigentlich sehr gut die Bedeutungen und das lexikologische Umfeld einzelner Ausdrücke von Brassens. 

- In Ne me quitte pas von Brel ist der Ausdruck „le rouge et le noir ne s’épousent-ils pas?“ eine rein rhetorische Frage, die gegen Ende des Liedes doch erst recht bekräftigen soll, dass, obwohl die beiden Menschen doch sehr verschieden sind, sie dennoch zusammen- bleiben sollten. Die affirmative Aussage dieses vermeintlichen Farbgegensatzes kehrt den über die drei ersten Strophen entwickelten Sinn des Liedes in der vierten fälschlicherweise in das Gegenteil mit der Übersetzung „Und wenn der Abend kommt, damit der Himmel entflammt, werden sich schwarz und rot nicht vereinigen“. Der Sinn der drei ersten Strophen wurde also wieder aufgehoben. - Aus „je creuserai la terre jusq’après ma mort, pour couvrir ton corps d’or et de lumière “ wurde in einer anderen Übersetzung „ich durchkreuze die Welt“, statt „ich durchwühl die Erd, bis zu meinem Tod, um dich zu behängen mit Edelstein und Gold“. Creuser la terre und croiser la terre (le monde) ist verwechselt worden. 4. Bei der Übertragung einer humoristischen Erzählung in Liedtextform in ein anderes landespezifisches Umfeld ist es nach meinem Dafürhalten erlaubt, andere Ortsnamen und Idiome zu verwenden, wenn dadurch das Verständnis des Liedtextes überhaupt erst möglich oder zumindest erleichtert wird. Der Grad an Deftigkeit, eine volkstümliche Ausdrucksweise, die Intensität an Ironie, Sarkasmus und Zynismus sollten allerdings erhalten bleiben. - So werden in Brels „Les bourgeois“ die Spießer folgendermaßen beschimpft: „Spießer sind wie Schweine in der Mast, nehmen sie zu an Jahren, gehören sie in den Knast“. - Die Java ist in Deutschland als Tanz kaum ein Begriff, also wurde daraus der Walzer: Der Teufel dacht sich ’nen Walzer aus, da wurde ’ne Mazurka draus (La java du diable, Charles Trenet) - Vesoul, Synonym für ein unbedeutendes Kaff im Hinterland, hätte eigentlich Hintertupfingen werden müssen. Dem habe ich Sylt vorgezogen, weil es in dem Lied auch darum geht, dass die reisewütige Frau in Orte will, die „in“ sind oder ihr einfach launisch in den Sinn kamen. Bei Michael Heltau wird daraus Wien. Warum nicht, wo er doch Wiener ist, und die Österreicherinnen nach Berlin, Rom, Köln usw. wollen? - Ist französischen Schülern in Rosa von Jacques Brel Vasco de Gama als Entdecker Amerikas bekannt, so ist es deutschen Schülern eher Christoph Kolumbus. Dieser Name ist allerdings etwas lang. Im Einstein-Jahr 2006 musste also dieser herhalten. Es ging schließlich auch nur um einen klugen Kopf und nicht unbedingt um einen Weltsegler und Entdecker. Die Frage stellt sich hier, wie treu oder wortwörtlich eine Übersetzung sein sollte, was wir unbedingt übersetzen sollten und was eher nicht (z.B. Eigennamen). - Das Benotungssystem in Schulen in Frankreich und Belgien zählt von null auf 20 oder 100 Punkte. In Deutschland wird von 1 bis 6 benotet. Die runden Nullen in Frankreich sind Sechsen in Deutschland. Die Nullen dienten Brel in seinem Lied Rosa dazu, für Charlie Chaplin einen Tunnel zu bauen und dem hl. Franziskus einen Heiligenschein. So wurde aus den Sechsen eben ein Heiligenschein für den bei deutschen Kindern beliebten Nikolaus. Hilfreich war dabei, dass die Sechs auch einen Kreis hat. Glückssache. 5. Die Betonung auf der letzten Silbe im Französischen gegenüber der Betonung auf der ersten Silbe im Deutschen ist eines der größten Hindernisse bei der Übertragung von zu singenden Texten. Nur die französischen Wortenden mit dem so genannten stummen „e“ bereiten weniger Schwierigkeiten. Hauptwörter mit der Vorsilbe „Ge“ im Deutschen sind immer sächlich und auf der zweiten Silbe betont. Das hilft.

- La cane de Jeanne konnte so leicht die Ente von Bente werden. Aber Frauen namens Bente lernt man eigentlich nur an der deutsch-dänischen Grenze kennen. Sonst ist der Name unbekannt. Ich war erleichtert, als ich ihn dort erfuhr. War ich doch schon bereit den Namen der Ente durch einen anderen zu ersetzen, damit der sich reimt.

- Die Übertragung der Strophen des Liedes Marieke von Brel aus dem Niederländischen (Flämischen) ins Deutsche ist ungemein leichter als die des französischen Refrains, da es sich auch um eine germanische Sprache handelt. - Die Verwendung in der deutschen Fassung von Ortsnamen mit zwei Silben wurde dadurch gelöst, dass im Lied Sylt (Vesoul bei Brel) Ortsnamen mit zwei Silben mit Betonung auf der letzten Silbe (Laboe, Eutin) oder Ortsnamen mit einer Silbe und einer Präposition (Köln, Sylt) gefunden wurden, worauf das unwichtige Wort davor unbetont und das letzte Wort (Silbe) in dem Vers betont werden konnte.

- Bei der Betonung der letzten Silbe in normalen Wörtern, kann man sich dadurch behelfen, dass der Satz umgestellt wird, manchmal sogar die Verse in umgekehrter Reihenfolge erscheinen. 

6. Doppelbedeutungen von Wörtern: J’inclinais à lui préférer Rosa, heißt „ich neigte dazu, Rosa der Deklination von Rosa vorzuziehen“ aber auch, ich zog es bereits vor Rosa zu „neigen“ (ob nun beim Tangotanz oder danach, bleibt hier unbeantwortet). Daraus wurde leider nur noch „neigte ich doch schon offenbar zu sehr die Kusine Rosa“, „neigte ich doch schon sehr der Kusine Rosa zu“, blieb dabei auf der Strecke. Welche Fassung hätte Brel bevorzugt? Ich schätze, die aussagestärkere. 7. Zungenbrecher

- C’est trop tard pour le tram trentre-trois ist als solches leider nicht übertragbar (In Madeleine von Brel). Garde son or, or de son or, moi j’ m’en fous (J’ai rendez-vous avec vous, Brassens)

8. Stilistische Feinheiten, wie Alliterationen, die beim Hören oder Lesen das Herz höher schlagen lassen, sind schwer wieder zu geben. - In Brassens’ Lied Le vent muss man zunächst überhaupt erst einmal die Wiederholung der Konsonanten heraushören; die Umsetzung ohne Verluste ist dann erst recht schwierig. So wird in Le vent „ReBrousse les Bois, déTrousse les Toits, Retrousse les Robes“ im Deutschen leider nur: der die Bäume rUpft, die Dächer lUpft, die Röcke zUpft. Dreimal ein “u“ im Wort war dann doch tröstlich. - In Das flache Land von Brel haben wir ähnliche Vorkommnisse: Das „é“ in marées, dépassent und venir bereiten den „vent de l’est“ vor; und die Laute in bonsoir, voyage und vouloir kündigen den Wind von Ouest an; mit dem Wind von Nord plagt sich das „r“ in perdu, gris, pardonner, s’écarteler, craquer; das „s“ in le vent du sud wird eingeleitet durch sous juillet, und findet ein gutes Ende in „écoutez le chanter“. Haben wir da ein Glück im Deutschen, dass Süd und singen mit einem stimmhaften „s“ beginnen und dass der Wind von Nord mit „verirrt, erhängt, spürt, grau, vergeben, vierteilen wird und klirrt umgeben ist. Manchmal hilft da doch die menschliche Natur, wo in vielen doch so verschieden anmutenden Ländern das ewig Menschliche zu gleichen Ausdrucksweisen führt, wie bei „vierteilen“ und „s’écarteler“ (Das Viereck ist nun mal ein carré). Leider geht da aber trotz allem noch vieles an Schönheit verloren! Verrat am Ausgangstext und Autor. Es wird aber auch manchmal Verrat am Auteur-Compositeur-Interprète begangen. Ein bekannter Interpret von Brel bürgt noch nicht für die Qualität des Vortrags seiner Chansons. Wenn so genannte „Bühnen-Superstars“ Brel vortragen, bürgt das nicht für die Qualität des deutschen Textes und auch nicht für eine vergleichbare Bühnenpräsenz. - Manche Fassungen haben nichts mehr mit dem Originaltext gemein. Wenn aus Les Flamandes von Brel bei einem bekannten Jazzmusiker „Marathon“ wird, nur weil es sich um einen langen Walzer handelt, hat das nichts mehr mit einem Chanson von Brel zu tun, sondern ist Verrat an Brel. So ist aus dem Lied von Claude François „Comme d’habitude“ (So wie gewöhnlich), das eine langjährige, verbleichende Paarbeziehung beschreibt, der durch Paul Anka geschriebene und von Frank Sinatra weltweit verbreitete Welthit My way geworden. Würde man mit einem inhaltlich vollkommen neuen französischen Text auf eine Melodie von Schubert als Schubert-Sänger auftreten? Unter den Liedern nach Gedichten Wilhelm Müllers, aus dem Zyklus, die "Winterreise" befinden sich einige der schönsten und bedeutendsten Liedkompositionen Schuberts. Es sind Sprachvertonungen deutscher Dichtungssprache. Anders ist es nicht mit Brels Chansons. - Ausblick: Der Erfolg anspruchsvoller Texte in der Unterhaltungsmusik hat sich nicht nur in Frankreich über Jahre fortgesetzt. Dort hatten amerikanisch-englische Popsongs aus den Hitlisten, außer den Songs der Beatles, nie solchen Erfolg wie in Deutschland. Aber generell ist ein Trend zu anspruchsvolleren Rap-Texten zu verzeichnen. Vielleicht finden auch in Deutschland wieder mehr Liedermacher zu großem Erfolg, wenn den kleinen Eigenproduktionen (labels) der Zugang zum Markt über die breite Distribution möglich wird. Gerd Heger, Chanson-Spezialist beim Saarländischen Rundfunk und Gestalter der einzigen wöchentlichen Sendung zum frankophonen Chanson im deutschen Radio schrieb bereits im März 2006, „die Dreißigjährigen von heute … haben eine offensichtliche Liebe zu Ästhetik und Poesie entwickelt als Haltegriff im niemals gleichen Fluss. Sie wissen, was ein gutes von einem schlechten Gedicht unterscheidet, und sehen es als selbstverständlich an, im Gedicht, im Song sich auszudrücken“. Hoffen wir, dass der Rückzug ins Ästhetische sich fortsetzt, in der deutschsprachigen Musik wie auch bei der Übertragung von Liedtexten aus anderen Sprachen ins Deutsche.

Dieter Kaiser D 71394 Kernen

Dieter Kaiser tritt als Didier Caesar mit dem professionellen Pianisten Paul Amrod als Duo auf mit „Französischen Chansons für deutsche Liebhaber“ oder im Quartett Chant-Song Surprise mit einer Sängerin und einem Gitarristen. Didier hat über 220 Chansons von 48 Chansonniers ins Deutsche übertragen und in drei Broschüren herausgebracht (12/2018). Je nach Veranstalter und Zuhörerschaft trägt er diese in französischer und/oder deutscher Sprache vor, gelegentlich auch auf Englisch in englischsprachigen Ländern (südliches Afrika) und projiziert die Texte auf eine Großleinwand im Power-point-Verfahren. Im Eigenverlag erschienen drei französisch-deutsche Ausgaben mit Chansons der auteurs-compositeurs-interprètes (ACI): F: Édition de 3 brochures franco-allemandes de chansons: Volume I, avec 30 textes de compositeurs divers, 60 pages A5. Volume II, avec 30 textes de Brassens, 50 pages A5. Volume III, avec 33 chansons de Brel, 60 pages A5.

- Liebhaber der Musik von Jean Ferrat und der Poesie der zeitgenössischen Dichter Jacques Prévert und Louis Aragon finden bisher 12 Liedtexte auf Deutsch.