Les biches (Die Rehlein) - Jacques Brel

Aus Französische Chanson-Texte auf deutsch
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Die Rehlein

(dt. D. Kaiser,

Sänger im Quartett Stéphane & Didier et Cie)

Sie sind unser erster Feind,

wenn sie kichernd und in Eile

fliehen die Gefilde der Langeweile,

die Rehlein.

- So lang wie‘s Haar sind die Wimpern,

ihr Zopf ist lang wie‘n Herrenwinker,

wenn sie winken aus den Winkeln

ihrer Äuglein.

- So steht der Jäger auf ihr Geheiß

und ich sogar von Stürmen weiß,

die sie machten zu einem Leis,

die Rehlein.

- Wenn wir sie aus unserm Sinn bannen

Und sie uns jagen mit roten Wangen,

Sind sie unser erster Feind,

die Rehlein, mit 15 Jahr.

2. - Sie sind dann unser schönster Feind,

wenn wir sie voll in Blüte sehn,

sie wie die Frucht im Safte stehn,

die Rehlein.

- Sie lassen ihre Tugend lügen,

obwohl sie doch aus vollem Herz,

mit dem ganzen Körper ohne Scherz,

        betrügen.

- Wenn sie den Ehemann anbaggern

Oder den Diamanten anknabbern,

Auf dem blauen Asphalt von Paris,

die Rehlein.

- Wenn man sie jagt mit Rubinen

Und sie uns jagen mit Gefühlen,

dann sind sie unser schönster Feind,

die Rehlein, mit zwanzig Jahr.

3.- Sie sind unser schlimmster Feind,

wenn sie ihre Macht ausspielen,

und auf ihr Verfalldatum schielen,

die Rehlein.

- Wenn Glück einen Jäger her weht,

wenn ihre Schönheit spät aufsteht,

wenn sie mit all ihrem Gemüt

betrügen.

-Wenn sie aus Langweil den Hirsch vertreiben,

andre Liebhaber mit dem einen,

und mit dem Hirsch gehn auf die Pirsch

zum vereinen.

- Wenn man sie treibt bis auf die Spitze,

sie uns jagen mit der Handschuhspitze,

sind sie unser schlimmster Feind,

die Rehlein, über zwanzig Jahr.

4.- Sie sind dann unser letzter Feind,

wenn ihre Brüste müde sinken,

weil sie uns viele Nächte winkten,

die Rehlein.

- Wenn sie mit resigniertem Schritt

wie Pilger auf dem Rückweg sind,

wenn sie mit ihrer Vergangenheit

betrügen,

um uns noch fester an sich zu ketten,

wir, die wir sonst nichts zu tun hätten,

als sie vor dem Altern zu retten,

die Rehlein.

- Ob wir sie jagen aus unserem Leben,

oder sie uns zum letzten Entschweben,

sie bleiben unser letzter Feind,

die Rehlein, auf Lebenszeit.